„Geil ist geil!“

„Geil ist geil!“ Dies ist der neueste Period-Slogan einer großen Elektronik-Kette, deren Name wohl jedermann bekannt ist, ohne hier von Saturn sprechen zu müssen.

Weshalb Period? Weil sich die Slogans in der heutigen Werbung in einer Schnelligkeit wechseln, wie die täglichen Socken an kalten Füßen. Man sollte es wohl nicht für die gesamte Werbung verallgemeinern, aber passiert es doch auffallend oft. Offenbar altern Slogans genauso schnell, wie Socken dreckig werden. Höchste Zeit also sie regelmäßig auszutauschen, nur mit dem Unterschied, dass sie nicht in die Wäsche wandern, sondern auf den Müll. So eine Art Wegwerf-Socken.

Versuchen wir, das Ganze mal objektiv zu betrachten. Also weg von meinen Socken und hin zum neuen Slogan. Können wir dauerhaft etwas mit einem Slogan verbinden, wenn wir ständig in überschaubaren Zeiträumen mit neuen Botschaften überhäuft werden? Wahrscheinlich nicht, aber vielleicht soll es das auch gar nicht, vielmehr geht es wohl um den Zeitgeist, eine temporäre Stimmung aufzufangen und den Kunden lauter anzutönen als andere.

Und dass es funktioniert, hat der uns allen bekannte Elektrofachmarkt schon bewiesen. Der neue Slogan „Geil ist geil“ hat seinen Ursprung wohl im Slogan „Geiz ist geil“. Laut eigener Aussage die erfolgreichste eigene Kampagne aller Zeiten.


Diese wurde von „Wir lieben Technik. Wir hassen teuer.“ und „Sternhagelgünstig – Alles eine Frage der Technik.“ abgelöst. Die Idee dieser Slogans war offenbar dem Zeitgeist geschuldet, es ging nicht mehr nur um billig, sondern um das Kerngeschäft selbst, nämlich Technik. Treffend, wie ich finde. Eine klare Aussage hinter emotionsgeladenen Worten: lieben und hassen. Was dahinter steht ist: Hier gibts die beste Technik zum besten Preis. Zumindest war dies meine erste Assoziation.

Und nun? Nun wird Saturn 50 und es ist Zeit für „Geil ist geil“. Zeit neue Socken anzuziehen. Das Ganze wird medienwirksam mit Michael Buffer und dem umgedichteten Song „Life is life“ in Szene gesetzt. Und wenn Michael Buffer in den Ring steigt, soll das schon was heißen. Zumindest sollen wir das denken! Saturn nimmt sich ein bekanntes Gesicht. Ein Testimonial, welches die Glaubwürdigkeit erhöhen soll. Michael Buffer steht dann wohl für Technik?!

Insgesamt sind es alles Zutaten für eine erfolgreiche Kampagne. Und der Inhalt? Ich habe keine Ahnung! Hatten wir doch bei den vorigen Slogans noch sofort Bilder im Kopf, die etwas vermittelt haben, müssen wir jetzt intensiv nachdenken, was es zu bedeuten hat. „Geil ist geil“, nun gut, das heißt so viel wie „rot ist rot“, „kalt ist kalt“ und „wichtig ist wichtig“.

Was soll es uns also sagen? Das bleibt wohl eine unbeantwortete Frage. Unabhängig vom Ergebnis ist es eigentlich nicht gut für eine erfolgreiche Kampagne, wenn wir uns den Sinn nicht erschließen können. Marketing muss treffen wie der Blitz den Frosch! Müssen wir erst nachdenken, ist der Effekt weg. Andererseits bleibt die Botschaft hängen und hat damit seinen Effekt nicht verfehlt. AIDA – nennt sich das Geheimnis. Attention, Interest, Desire, Action. Und für Aufmerksamkeit sorgt der Slogan alle Mal. Über den Inhalt lässt sich streiten.

Klar erkenne ich die Überhöhung in dieser Message. Ich kann Party, Feiern, Super-Wow, super-super-superkleine Preise problemlos darin unterbringen. Trotzdem fehlt mir hier die klare Aussage. Nun muss es anderen nicht gehen wie mir. Wir werden sehen, wie die Kampagne läuft. Möglicherweise strömen die Kunden wieder in die Jubiläums-Saturn-Märkte, vielleicht aber ignorieren sie die neue Kampagne auch. Wir werden sehen…

Ein sehr spannendes Thema, auch für uns. Die Identität einer Marke oder eine Unternehmens konzentriert in einem Slogan unterzubringen, ist immer eine aufregende Aufgabe. Sensibel versuchen wir herauszufinden, was den Kunden ausmacht, wo das Ziel liegt und welche Kunden angesprochen werden sollen. Oft ist das keine leichte Aufgabe und das Ergebnis überraschend, wenn letztendlich Logo, Slogan, Soundlogo, Print- und Digitalmedien sowie das Corporate Design mit der Firmenidentität in der Corporate Identity aufgehen.

In diesem Sinne… „creativ ist creativ“ „clicks ist clicks“

One comment

  1. Ziel erreicht, sag ich da nur. Für Saturn stand und steht bei dieser Kampagne nach eigenen Aussagen im Vordergrund auffällig zu sein und Aufmerksamkeit zu erregen. Das nenne ich dann eine Punktlandung. Zumindest, was dieses Ziel betrifft. Mit einem Augenzwinkern und einer plakativen Botschaft möchte uns der Elektrofachmarkt zeigen, dass er 50 Jahre jung ist. Und spricht „geil ist geil“ genau dieses aus. Allerdings bleibt die große Frage offen, ob sich die Kunden inhaltlich damit angesprochen fühlen werden. Aber setzen wir voraus, dass Saturn die eigene Zielgruppe schon genau kennen wird. Klar ist, dass damit sicherlich keine konservativen Rentner angesprochen werden sollen. Was würden wohl unsere Omas denken, wenn wir sie anschauen und laut schreien: „Geil ist geil“?

    Aber werfen wir ein Auge auf Michael Buffer als Testimonial. Was das wohl für Kosten verursacht hat? Und auf wen diese wohl umgelegt werden? Und ist Michael Buffer, der uns immer nur im noblen Frack begegnet, geeignet für diesen Spot, wo es um „geil sein“ geht?

    Schauen wir uns an, wo es hinführen führt. Immerhin gab es auch in der Vergangenheit schon lustige Geschichten:

    Sarah Connor sang mit voller Leidenschaften bereits für Damenbinden, Dieter Bohlen brät sich hin und wieder eine Bratwurst, Thomas Gottschalk liebt bestimmte Gummi-Tiere, die bekannte Tatort-Kommissarin Maria Furtwängler färbt sich gern die blonden Locken mit L’Oreal, Ex-Nationalspieler Mehmet Scholl steht auf Klamotten von C&A und auch Tennisheld Boris Becker surfte mal gern über AOL.

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