Das Web ist tot. Lang lebe das Internet

webUnter dieser drastischen Überschrift veröffentlichte der Chefredakteur des vielbeachteten US-amerikanischen Technologie-Magazins „Wired“ Chris Anderson die aktuelle Titelgeschichte des Magazins und schreckte so die interessierte Webgemeinschaft auf.  Wie konnte der wichtigste Weissager der digitalen Welt das Web für tot erklären?  Doch gleich eines vorweg: Chris Anderson erwartet jetzt nicht den Untergang oder Zusammenbruch des weltenweiten digitalen Datennetzes, sondern eine grundsätzliche Änderung des Charakters des Internets mit seinen inhaltlichen Angeboten und dem entsprechenden Nutzerverhalten die bereits im Gange sei.

Während das Internet bis vor wenigen Jahren stark vom ungehemmten, unspezifischen ja chaotischen Wachstum geprägt war, dessen Gemeinsamkeit sich im verwendeten IP-Protokoll und der Nutzung durch Internetbrowser erschöpfte, gehe die aktuelle Entwicklung stark zu abgegrenzten und kontrollierbaren Nutzungsräumen außerhalb des Browsers wie Peer-to-Peer-Verbindungen (z.B. Video-Telefonie), sozialen Netzwerken wie Facebook oder von Miniprogrammen (Apps). Diese Nutzungsräume bezeichnet Anderson als „walled gardens“ innerhalb des Webs. Charakterisch für diese umzäunten Gärten sind eine hohe Effizienz und Nutzerfreundlichkeit, aber eben auch eine Kontrolle durch den Anbieter sowie eine steigende Kommerzialisierung. Hier sei auch die Ursache für diese Entwicklung zu finden, da mit dem traditionellen, freien Internet kein Geld zu verdienen sei. Seine These belegt Anderson mit einer Grafik über die Verteilung der Traffic-Quellen des Internets. (siehe Originalartikel bei „Wired“)

Natürlich haben sich auch sofort Stimmen erhoben, die der These widersprechen und ob der Universalität und Verbreitung der Browser deren Bedeutungsverlust vehement bestreiten. So meint Erik Schonfeld, Autor des Portals Techcrunch das „… die Browser … die Vorteile der Apps bei der Handlichkeit aufholen…“ Doch die entscheidende Frage bei der Beurteilung dieser These ist, ob die Menge des Datenverkehres mit der Nutzung des Internets identisch einhergeht? Will meinen: 5 Minuten ein Video bei Youtube geschaut und 5 Minuten Nutzung von Video-Telefonie-Diensten erzeugen eine ungeheuere zu transportierende Datenmenge, entsprechen aber doch nur 10 Minuten Nutzung des Internet. Um die selbe Menge an Daten bei gewöhnlichen Surfen durch das Internet zu erzeugen kann ich mir duzende Webseiten anschauen und Textdokumente herunterladen – sprich viele viele Stunden im Web zubringen. Für die Vermarktung von Angeboten im Web ist aber viel entscheidender, wieviel Zeit sich ein Nutzer mit einem Produkt oder einer Dienstleistung auseinandersetzt und nicht viel Traffic er dabei erzeugt.

Das Web ist also nicht tot, befindet sich aber in einer neuen Phase seiner Entwicklung die ja bekannterweise in Schüben vonstatten geht. Daher gilt für Unternehmen, die das Internet in ihre Kommunikation, ihren Vertrieb und ihre Prozesse integriert haben wie bisher auch,  die Kundenorientierung und den Mehrwert ihrer Angebote zu schärfen, die Zielgruppe und ihre Präferenzen im Blick zu behalten und sich zusätzlich von einer kompetenten Agentur beraten zu lassen.

Kristian Voigt

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