Pro & Kontra: Mobile Website oder App?

Pro & Kontra: Mobile Website oder App?

Wir läuten die vierte Runde des CREATIVCLICKS-Schlagabtausches ein: Unsere Geschäftsführer Kristian Voigt und Sandro Zimmermann debattieren heute darüber, was besser ist: mobile Website oder App. Hinweis: Am Ende des Textes finden Sie unser Fazit sowie eine Zusammenfassung der Diskussion.

60 Prozent der Deutschen nutzen das Internet von unterwegs, also auf einem mobilen Endgerät bzw. Smartphone. Die immer etwas vorsichtigeren AGOF-Zahlen belegen knapp 50 Prozent mobile Nutzung. Auf Seiten der Apps gibt es laut statista.com im Google Play Store ca. 1,5 Millionen und im Apple App Store 1,4 Millionen Apps. Dazu kommen ca. je 350.000 Apps im Amazon App Store und Windows Phone Store. Tendenz steigend. Damit gewinnen Apps und mobile Websites immer mehr an Bedeutung. Aber worin unterscheiden sie sich und wo liegen die Stärken der beiden?

Sandro Zimmermann: Die mobile Website ist seit dem Einzug des responsive Design mittlerweile Standard für alle neuen Websites. Und wer nach dem letzten und anstehenden Mobile-Update von Google gute Rankings aufbauen oder behalten möchte, der braucht eine mobile Website. Responsive Design macht es dem Website-Betreiber leicht: er pflegt seine Inhalte über ein Content Management System und je nachdem, mit welchem Gerät der Besucher kommt, wird die Website entsprechend für genau diese Gerätegröße optimiert ausgegeben.

Kristian Voigt: Ja, mobile Versionen sind in modernen Websites im Gesamtpaket einfach enthalten. Sie eignen sich hervorragend für die mobile Information. Natürlich auch für Shopping, Suche und Entertainment mit allen Funktionen, die wir von mobilen Browsern kennen. Wenn zusätzliche Funktionen benötigt oder gewünscht werden, spielt die App ihre Trümpfe aus. Denn sie hat Zugang zu Gerätefunktionen, die das Erlebnis der App-Nutzung erheblich aufwerten können: zum Beispiel live im Laden mit der Kamera Produkte fotografieren oder Barcodes scannen oder seinen Standort per GPS bestimmen lassen. Manche Apps greifen auch auf Sensorwerte des Smartphones zu.

Sandro Zimmermann: Die mobile Website punktet jedoch mit ihrer Verfügbarkeit unabhängig davon, welches Smartphone bzw. Betriebssystem ich nutze, Apple, Android, Windows oder andere, sie muss nicht installiert werden und ist immer tagesaktuell gepflegt. Apps hingegen werden ganz spezifisch für ein Betriebssystem programmiert und Updates erfordern immer eine neue Version der App. Zudem muss die App erstmal bekannt gemacht und dann auch von den Nutzern installiert (und auch genutzt) werden. Alles zusammen kosten Apps in der Entwicklung und Wartung mehr als mobile Websites.

Kristian Voigt: Da hast du natürlich Recht. Betrachten wir Apps aber mal aus dem Blickwinkel der Marketer, bieten sie eine sehr sehr attraktive Funktion: Push-Nachrichten. Das sind Benachrichtigungen, die die App je nach Nutzereinstellungen und Smartphone dem Nutzer direkt auf seinem Gerät anzeigt. Eine mobile Website besucht der Besucher aus eigenem Antrieb, er kann nicht direkt angelockt werden, außer über weitere Kommunikationskanäle wie Facebook oder E-Mail Newsletter. Push-Benachrichtigungen sind neben WhatsApp der einzige Weg, den Benutzer aktiv anzusprechen, ihm Nachrichten direkt auf sein Smartphone zu liefern. Das können nur Apps.

Sandro Zimmermann: Wenn man möglichst viele potenzielle Kunden erreichen möchte, bedeutet das aber mindestens zwei Versionen der App, eine für Apple und eine für Android. Und vielleicht noch eine für Windows…

Kristian Voigt: Leider ja. Belohnt werden wir dafür aber mit längeren Nutzungszeiten als mobile Websites, einer besseren Kundenbindung und höheren Loyalität. App-Nutzer schauen sich pro Nutzung mehr „Seiten“ oder Screens an als auf mobilen Websites. Das liegt zum Einen am besseren Nutzungserlebnis – Apps sind meist intuitiver, optisch klarer strukturiert und verfügen über mehr Funktionen als browserbasierte Websites – und zum Anderen an kürzeren Ladezeiten der Anwendung.

Sandro Zimmermann: Ich habe noch ein schönes Beispiel unseres Kunden Dürr Somac, die mit ihrer mobilen Website in Verbindung mit einer QR-Scanner-App eine super Idee für ihren Kundenservice umgesetzt haben: Sie bringen an ihren Befüllanlagen QR-Codes an mit allen wichtigen Informationen zur Anlage und zum Kunde. Wenn der Kunde doch einmal eine Service-Anfrage stellen muss, scannt er den QR-Code mit einer beliebigen QR-Scanner-App und öffnet dann per Link das Online-Formular, in dem schon alle abgefragten Daten ausgefüllt sind. So muss er nie mehr auf die Suche nach seiner Kundennummer gehen, die der Ingenieur an der Anlage wahrscheinlich erst in der Verwaltung nachfragen muss.

Kristian Voigt: Das ist ein schönes Beispiel, wie die mobile Website in Verbindung mit dem Smartphone auch im industriellen Bereich genutzt wird. Die Bedeutung dieser Kanäle nimmt auch in der Industrie und da vor allem im Bereich Service immer weiter zu. Mobile Websites und Apps sind nicht nur was für den klassischen Endkunden. Deine Beispiel-Anwendung wäre „aus einem Guss“ auch als App möglich. Den zu erwartenden Entwicklungskosten steht jedoch eine sehr kleine Zielgruppe gegenüber. Nichtsdestotrotz zeigt das Beispiel aber, dass Gerätefunktionen in Verbindung mit Online-Inhalten ein starkes Team bilden. Die App-Variante wäre vielleicht sogar offline nutzbar, wohingegen eine mobile Website immer eine Internetverbindung erfordert.

Sandro Zimmermann: Aber die App kann ich im Gegensatz zur mobilen Website vom Nutzer auch einfach deinstallieren. Sie muss also wirklich sinnvoll zu nutzen sein und einen echten Mehrwert bieten, dass ich sie auch regelmäßig oder für bestimmte Zwecke nutze. Damit ich sie überhaupt installiere, braucht sie viele positive Bewertungen in den App Stores.

Kristian Voigt: App Store ist ein gutes Stichwort. Alle Apps durchlaufen hier verschiedene Prüfungen, bevor sie veröffentlicht werden dürfen. Damit sind sie auch etwas sicherer als mobile Websites.

Sandro Zimmermann: Deine Begeisterung für Apps ist ja kaum zu bremsen…

Kristian Voigt: [kann sich ein breites Grinsen nicht verkneifen] Das stimmt! Ich finde das Thema wirklich spannend und wichtig. Die Nutzergewohnheiten werden immer mobiler, darauf müssen Marketer und Prozess-Architekten einfach mit entsprechenden neuen Kanälen – also mobilen Anwendungen und Apps – reagieren. Und das ist auch keine Zukunftsmusik mehr, sondern schon jetzt so.

Fazit:

  1. Wir einigen uns auf klares Unentschieden, da beide Varianten viele Vorteile aber eben auch Nachteile haben.
  2. Entscheidend ist, mit welchem Bedürfnis unser Kunde zu uns kommt und was genau die App abbilden soll: mobile Website für schnelle einfache Suche und Information – App für komplexe Interaktionen oder Prozesse.
  3. Für eine starke Kundenbindung kann es auch sinnvoll sein, beide Varianten anzubieten – Vorbild sind hier zum Beispiel die großen Marktplätze und Online-Shops wie Amazon, Zalando und H&M.
  4. Ein wenig Geschmackssache bzw. individuelle Vorliebe für das eine oder andere ist immer im Spiel.

Keine Zeit zum Lesen? Hier ist unser TLDR (too long, didn’t read):

  • Mobile Websites laufen browserbasiert und damit unabhängig vom Betriebssystem des Smartphones (Apple, Android, Windows, etc.). Sie sind innerhalb der responsive Website einfach dabei und müssen nicht installiert werden. Für ihre Erstellung fallen nur einmalig Zusatzkosten für das responsive Design und Template bei der Erstellung der normalen Website an. Alles ist eins und in einem CMS und wird auch dort aktuell gehalten ohne Zusatzkosten. Die Anpassung der Anzeige wird automatisch auf das Endgerät optimiert. Typische Einsatzgebiete sind schnelle Informationen von unterwegs, aber auch Shopping, Suche und Entertainment. Und sie sind ein Muss für gute Google-Rankings nach den letzten Mobile-Updates.
  • Apps werden immer spezifisch für ein Betriebssystem geschrieben, daher braucht man ggf. zwei oder drei Apps um alle Zielgruppen zu erreichen. Sie greifen auf Gerätefunktionen des Smartphones zu, zum Beispiel die Kamera, Sensoren oder das GPS. Apps bieten ein besseres Nutzererlebnis durch eine optisch klarere Struktur, eine intuitive Bedienung mit Zusatzfunktionen wie Wischen, Individualisierbarkeit und kürzere Ladezeiten. Sie sind meistens auch offline nutzbar. Sie werden aktiver genutzt (mehr Interaktionen und längere Aufenthaltszeiten pro Session) und führen zu einer stärkeren Kundenbindung sowie größerer Loyalität. Einer der größten Vorteile sind Push-Nachrichten, die eine aktive Ansprache des Benutzers ermöglichen.
  • Mobile Websites benötigen immer eine Internetverbindung. Sie werden im Vergleich zur App kürzer besucht und genutzt. Sie bieten keine Push-Nachrichten.
  • Apps sind in ihrer Erstellung aufwändiger und damit mit höheren Entwicklungskosten verbunden. Meistens erstellt man mindestens zwei Versionen einer App für Apple und Android. Updates machen eine Versionierung von Apps notwendig. Nur wenn sie wirklich Mehrwert bietet, wird sie installiert, regelmäßig genutzt und nicht vom Smartphone gelöscht.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.