Pro & Kontra: Relaunch oder stetige Verbesserung?

Der CREATIVCLICKS-Schlagabtausch geht in die dritte Runde. Unsere Geschäftsführer Kristian Voigt und Sandro Zimmermann diskutieren sich heute die Köpfe heiß zu einem der wichtigsten Themen des Agentur-Alltags: Relaunch oder nicht Relaunch. Hinweis: Am Ende des Textes finden Sie eine Zusammenfassung der Diskussion.

Alltag in der Agentur: Ein Neukunde fragt uns an, wir vereinbaren einen Termin und sprechen über seine Wünsche und Vorstellungen. Er möchte seine Website neu machen – wir nennen das Relaunch. Es gibt ein neues Corporate Design, das berücksichtigt werden soll, aber die Suchmaschinen-Positionierung darf auf keinen Fall schlechter werden. Dann stellen wir ihm viele Fragen, um eine passende Lösung für seine Anfrage zu finden. Nicht selten steht dann auch die Frage im Raum, ob es denn tatsächlich ein Relaunch sein muss.

Sandro Zimmermann: Wenn wir über Relaunch sprechen wollen, müssen wir uns klar sein, wie wir einen kompletten Relaunch definieren. Ganz ehrlich, „nur“ ein neues CMS oder ein neues Design oder neue Templates oder eine neue Struktur mit neuen Inhalten sind kein Relaunch, sondern einzelne Verbesserungen. Erst, wenn alles zusammen kommt – und sich eine komplett neue URL-Struktur ergibt – ist das ein kompletter Relaunch.

Kristian Voigt: Ok, es gibt also unendlich viele Schattierungen und nicht nur schwarz und weiß. Wir benutzen manchmal auch Begriffe wie technischer Relaunch oder optischer Relaunch, wobei wir damit oft auch nur die Verbesserung einzelner Bestandteile einer Website meinen, das stimmt. Als Agenturinhaber wünsche ich mir natürlich, dass wir viele Relaunches betreuen und viele schöne Websites entstehen.

Sandro Zimmermann: Heutzutage muss ein Relaunch aber gar nicht immer sein. Wenn der Kunde über ein zukunftsfähiges technisches System, also CMS oder Shop, verfügt, das auch mittelfristig den meist wachsenden Ansprüchen gerecht wird, können viele kleine und große Verbesserungen an der bestehenden Website Stück für Stück vorgenommen werden. Besonders für Websites mit einer hohen Suchmaschinen-Optimierung verbietet sich eigentlich ein kompletter Relaunch.

Kristian Voigt: Aber auch dafür gibt es technische Lösungen, dass die Rankings erhalten bleiben. Aufwand macht es natürlich und ganz ausschließen kann man auch nicht, dass sich wenigstens für eine kurze Zeit die Rankings verschlechtern. Andererseits gibt es aber auch einige Situationen, wo ein Relaunch der richtige Weg ist. Ich denke hier an veraltete, nicht bedienbare oder nicht zukunftsfähige technische Systeme oder die Neuaufstellung und Neuplatzierung einer Marke. Die komplette neue Website setzt dann den Startpunkt für den Verbesserungsprozess.

Sandro Zimmermann: Genau genommen sind Websites ja nie fertig, es gibt immer neue Inhalte, neue technische Entwicklungen, neue Nutzungsgewohnheiten oder neue Wünsche und Ansprüche des Seitenbetreibers, die in die Website einfließen. Hier sollten die Unternehmen am Ball bleiben und Stück für Stück in machbaren kleinen Schritten Thema um Thema vorantreiben, um dem Nutzer, also dem Kunde, ein einmaliges Nutzungserlebnis zu bieten. Dabei fließen Erfahrungen aus dem Kundenkontakt, Ergebnisse der Website-Statistik, im besten Fall auch Ergebnisse von Nutzerbefragungen oder vielleicht sogar A/B-Tests in die Konzeption der Verbesserungen ein.

Kristian Voigt: Genau diese Dinge würde man auch bei einem Relaunch heranziehen und auf deren Basis und den eigenen Wünschen und Vorstellungen eine komplett neue Seite konzipieren, designen und aufbauen. So ein Projekt dauert dann vielleicht sechs Monate und danach erstrahlt die Website in neuem Glanz. Es gibt viele tolle Funktionen und dem Seitenbetreiber macht die Arbeit an der neuen Website Spaß.

Sandro Zimmermann: Aber mal Hand aufs Herz, das ist ein riesen Berg Arbeit, der ganz oft vom Verantwortlichen neben seiner normalen Arbeit abgearbeitet werden muss. Ich denke hier besonders an das Texte schreiben, Bilder heraussuchen, Inhalte einpflegen, vielleicht sogar in zwei oder mehr Sprachen. Oder Suchmaschinen-Optimierung. Und richtig fertig wird man trotzdem nie. Ich denke, dass wir immer mehr dahin kommen, dass komplette Relaunches der Einzelfall sind und wir unsere Kunden eher auf einem Weg begleiten.

Kristian Voigt: Diese Entwicklung ist absehbar. Die meisten Websites basieren mittlerweile auf Content-Management-Systemen. Wobei es hier einige global Player gibt und auch viele Nischensysteme.

Sandro Zimmermann: Es gibt einfach viele Vorteile von einem Verbesserungsprozess. Er ist natürlich trotzdem aufwändig, sowohl zeitlich als auch finanziell. Wenn man wirklich regelmäßig und nicht nur sporadisch oder aktionsgetrieben an der Website arbeitet, kommt man irgendwann auch mal zu den Dingen, die sonst oft hintenan stehen.

Kristian Voigt: Wichtig ist aber ein Plan, also ein Konzept. Sonst entsteht an allen Ecken und Enden der Website Wildwuchs, der dann wieder einen Relaunch erforderlich macht, um alles wieder in einen einheitlichen Stil zu überführen und Ordnung im System zu machen. Wir als Agentur arbeiten im Verbesserungsprozess immer eng mit unserem Kunden zusammen, sodass die klare Linie erhalten bleibt. Und es gehört auch Mut dazu, manche Dinge wieder zu löschen, wenn sie sich als nicht erfolgreich erweisen. Nur dann durchbrechen wir dauerhaft die Relaunch-Zyklen.

Sandro Zimmermann: Auf jeden Fall. Ich möchte an dieser Stelle noch einmal an mein Credo erinnern: „Weglassen ist eine große Kunst“. Es sollte nicht einfach immer nur mehr werden, sondern besser, für den Kunde unseres Kunden ein tolles Nutzungserlebnis.

Nicht alles gelesen? Unser tl;dr (Too long, didn’t read)

  • Von einem kompletten Relaunch sprechen wir, wenn alle Komponenten unserer Arbeit zusammen kommen: Neu-Konzeption, Re-Design, neues Content-Management-System oder Shop-System mit neuen Inhalten und daraus entstehender neuer URL-Struktur. Dazwischen gibt es viele Abstufungen, z.B. den technischen Relaunch oder den grafischen Relaunch.
  • Moderne technische Systeme ermöglichen die kontinuierliche Verbesserung und machen einen kompletten Relaunch überflüssig. Das ist zumindest für die Suchmaschinen-Positionierung besser.
  • Es gibt auch Ausgangssituationen, die einen Relaunch zwingend erfordern: veraltete, nicht bedienbare oder nicht zukunftsfähige technische Systeme oder die Neuaufstellung und Neuplatzierung einer Marke.
  • Ein kontinuierlicher Verbesserungsprozess bietet Website-Betreibern einige Vorteile. Trotzdem ist er aufwändig, zeitlich und finanziell. Er sollte wirklich kontinuierlich und nur mit klarem Konzept und in enger Zusammenarbeit mit der Agentur erfolgen, um Wildwuchs – und einen nachfolgenden Relaunch – zu vermeiden.
  • Eine stetige Verbesserung verteilt die Arbeiten eines Relaunches in machbare Portionen und sollten immer viele Faktoren – Erfahrungen aus dem Kundenkontakt, Ergebnisse der Website-Statistik, im besten Fall auch Ergebnisse von Nutzerbefragungen oder vielleicht sogar A/B-Tests – berücksichtigen.

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