Social Media 1: „Vom Buchdruck zum Tweeten“ oder „Gutenberg geht online“

Wilde Abkürzungen machen sich breit. Menschen sitzen in der Bahn und bewegen wie wild einen Finger ziehend über das Handydisplay. Social Media tönt es von überall. Wir wissen, dass Freundin A mit Fieber im Bett liegt, während Kollege B an der Haltestelle auf den verspäteten Bus wartet und ein eigentlicher Unbekannter namens C gerade seinen Umzug vollbringt. Das alles erfahren wir, als wir gerade selbst irgendwo sitzen und gebannt auf das Handy schauen, nebenbei hören wir natürlich den Musiktipp von Freund D. Das ist die Welt von heute. Aber ist das wirklich social?

Die Meinungen mögen auseinander gehen, wie sich die heutige Mediennutzung auf das Verhalten der Menschen auswirken wird. Fakt ist, das Verhalten hat sich bereits verändert. Und gleichwohl wird die nächste Frage laut: verändern technische Neuerungen das menschliche Verhalten oder aber bringt erst die Wunsch nach Veränderung des menschlichen Verhaltens neue Technologien voran?

Gegner klagen über verloren gehende soziale Kompetenzen, über fehlende Nähe und reales Erleben. Befürworter sprechen von guten Informationsmöglichkeiten, schnellem Austausch und Globalität. Wegzudenken ist es jedenfalls nicht mehr: Social Media ist da! Und nicht nur Privatpersonen profitieren davon, auch für Unternehmen kann Social Media eine neue Chance sein! Jedoch gilt es viele Regeln zu befolgen.

Doch fangen wir erst einmal damit an, Social Media zu übersetzen und gehen dazu in der Geschichte – aus medialer Sicht – sehr weit zurück.

Aller Anfang war der Buchdruck im 15. Jahrhundert. Durch ihn wurde es zum ersten Mal möglich, Wissen und Informationen in größeren Auflagen weiter zu geben. Der Mensch revolutionierte sich: ein allgemeines Informationsbedürfnis entstand und man begann, selbst zu denken. Die bisher gelebte göttliche Vorsehung rückt in den Hintergrund. Ca. 1650 gab es dann die ersten Tageszeitungen. Das sind die Anfänge der Printmedien und der Veränderungen der Gesellschaft, politisch, sozial und kulturell. Der Hörfunk geht zurück aufs Jahr 1923 und wurde zu dieser Zeit stark reglementiert, gerade in der NS-Zeit. Dem Fernsehen wurde bis 1935 kaum Beachtung geschenkt und wurde erst durch die Übertragung der XI. Olympischen Spiele im Jahr 1936 bekannt. 17 Jahre später ging die ARD an den Start: das erste bundesweite Fernsehvollprogramm war geboren, es folgte ZDF im Jahr 1963 und 1985 starteten die ersten privaten Sender Sat1 und RTL Plus. Was bedeutet das? Die Frage lässt sich leicht beantworten: die Massenmedien waren geboren und mit ihnen die Massenkommunikation. Übersetzt heißt das: die Kommunikation von einem (dem Medium) zu vielen Absendern wurde möglich. Eine Botschaft erreichte nunmehr nicht mehr nur einen, sondern viele tausende. Und jeder weiß von der Manipulation der Menschen in der NS-Zeit durch den Einsatz des Hörfunks…

Seit Jahren werden die Menschen in den Medien mit Massenbotschaften konfrontiert und die Werbung entwickelte und veränderte sich. Kurz gefasst – nun ja, sehr kurz gefasst – weg von der Darstellung der Produktnutzen und hin zur emotionalen Beeinflussung der Zuschauer. Vergleichen Sie doch einfach mal die Waschmittelwerbung der 1950er Jahre:

httpv://www.youtube.com/watch?v=C303uI4y5NI

und die Waschmittelwerbung von heute:

httpv://www.youtube.com/watch?v=EvTtkZ3b874

Was jedoch beiden gleich geblieben ist, ist die Tatsache, dass die Werbung eine Massenbotschaft ist und ein Absender (in diesem Fall Persil) viele Empfänger (also Zuschauer) erreicht. Es gibt kaum eine Möglichkeit der Rückkopplung, zumindest nicht in diesem Ausmaß. Möglichkeiten der Zuschauer waren Leserbriefe und Zuschriften.

Mit dem Aufkommen und Durchbruch des World Wide Webs durchbrach diese Grenze. Das neue Medium ermöglichte es u. a., natürlich nicht von Anfang an, dass seit einigen Jahren jeder in der Lage ist, Inhalte zu publizieren und Fakten einfacher nachzurecherchieren. Es begann damit, dass Privatleute eigene Webseiten erstellten und führte zu interaktiven Foren, Blogs und Plattformen zum Austausch.

Diese technische Veränderung brachte eine veränderte Meinungsbildung mit sich.

Bis dahin bestimmten Unternehmen durch Marketing, PR und Werbung die Meinungsbildung der Menschen. Angemerkt sei: Natürlich ist es nicht so, dass sie die Macht hatten, absolut zu manipulieren und Meinungen fest zu bestimmen, denn immerhin sind Menschen selbst denkende und kritische Menschen. Das bedeutete, dass Unternehmen jedoch die volle Kontrolle darüber hatten, was in Medien über sie und von ihnen ausgestrahlt wurde.

Diese Kontrolle ist nun verloren gegangen. Menschen können auf Plattformen und anderen interaktiven Kommunikationskanälen ihrer Meinung Platz machen und das so, dass sie damit auch wiederum viele Menschen erreichen. Was ein Mensch im Gespräch dem Gegenüber oder einer kleinen Gruppe sagt, hat bei Weitem nicht so viel Macht, wie sie nun den Menschen zuteil wird. In Echtzeit können Menschen nun auf Plattformen posten, schreiben und Materialien austauschen. Das bedeutet für Unternehmen, dass sie zum einen angreifbar sind, aber auch, dass die Öffentlichkeit, die hinter ihnen steht, sie unterstützt. Zu den bisherigen Möglichkeiten der Werbung und der PR kommt nun also auch ein öffentlicher Bereich dazu. Dieser öffentliche Bereich ist nicht kontrollierbar und auch nicht steuerbar. Im Gegensatz zur Werbung genießt dieser jedoch eine höhere Glaubwürdigkeit. Für Unternehmen heißt das, dass sie ihn ernst nehmen und auch berücksichtigen müssen. Und noch dazu bietet Social Media eine neue Chance: Die durch die Massenkommunikation verloren gegangene Nähe wird wieder hergestellt. Es spricht nicht mehr einer zu Millionen, sondern wenige zu hunderten/tausenden. Damit wird die über Jahre verloren gegangene Nähe wieder ins Leben gerufen, die Betrachtung der Menschen als Masse wird aufgelöst. Unternehmen sollten sich das zunutze machen, denn fragen wir uns selbst, was Vertrauen schafft? Nähe! Echter Kontakt! Menschlichkeit und Emotionalität! Transparenz und Offenheit!

3 comments

  1. Interessanter Artikel, und tolle Übersichtsgrafik über die social media.
    Leider lässt genau selbige und Passagen des Textes eine Unart der beschriebenen Verhaltensweisen und zu befolgenden Regeln erkennen: der laxe Umgang mit Quellenangaben und Hintergrundinformationen…

  2. Danke für den Hinweis, dass wir bei dem dargestellten social-media-prisma die Quellenangabe vergessen hatten. Diese haben wir nun sofort nachgepflegt.

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