Sonntags CLICK CLACK und ab gehts zu Facebook und Youtube

26 Grad plus, bebende Beats, namhafte DJ’s und Live-Acts beim CLICK CLACK Open-Air Fesitval in Dresden. Massen von tanzenden Menschen – und die Smartphones immer griffbereit in der Hand.

Jetzt nur niemanden anrempeln – schließlich könnte das heißgeliebte Telefon runterfallen. Dann wäre nämlich Schluss mit lustig – kein Posten aktueller Bilder, Videos und Statements bei Facebook & Co. Ungewollte Rempler (bei Festivals durchaus nicht ungewöhnlich) werden daher auch mit bitterbösen Blicken und liebevollen Sprüchen wie „Eeeey Alder; kannste net aufpassen?“ honoriert. Hallo? Geht’s noch? Das ist ein Festival, ich will tanzen, Spaß haben und nicht aufpassen müssen, das bei einem Stupser plötzlich heißgeliebte Äpfel durch die Lüfte fliegen.

Neben all der Tanzerei, Rempelei und viel Spaß werden also fleißig Videos gefilmt und Bilder geschossen, auf denen man halt mit drauf ist, ob nun gewollt oder nicht. Was bedeutet schon „das Recht am eigenen Bild“?! Der Name CLICK CLACK passt also sensationell zu der neuen Social-Media-Generation.

OK, zugegeben, ich hab auch bei Facebook gepostet. Es ist aber auch so verdammt einfach sich allen mitzuteilen :). Doch irgendwann ist es schon fast anstrengend, ständig nachzuschauen, ob es einen Kommentar gab oder wieviele Leute „I like“ gedrückt haben! Also zurück zum Auto, Handy ablegen, Stimmung und Mugge pur genießen – ganz offline.

Aber so ist das heute eben, (fast) alles kann sofort online erledigt werden im Social Media Network! Wussten Sie, dass man sich sogar online scheiden lassen kann? Ja, dass geht und ist zudem auch noch viel billiger! Partnerschaften werden per SMS gekündigt oder der Status von Beziehung bei Facebook auf „Single“ gesetzt – inklusive nachfolgender und sicher nicht immer erwünschter Kommentare wie „Ups, eeecht?!“ oder „Glückwunsch zum wieder gewonnenen Singledasein“ :-). Neuigkeiten seiner Freunde erfährt man zuerst bei Facebook „Ach, Du bist schwanger?“, Weihnachts- und Geburtstagsgrüße werden per E-Mail, SMS oder eben Facebook erledigt. Ist ja auch schön bequem, oder? OK, mag sein, dass ich altmodisch bin, aber ist ein Smartphone nicht auch zum telefonieren da? Und ist es nicht schöner einem Freund am Telefon zu gratulieren + extra Portion Facebook? Und wann haben Sie zum letzten Mal einen Brief, eine Karte geschrieben?

Zugegeben, es gibt schon tolle Apps: Foto machen + Postkarten-App aufrufen + als „reale“ Postkarte versenden lassen. Sowas war natürlich früher nicht möglich oder wesentlich umständlicher. Informationen beziehen wir heute hauptsächlich aus dem Internet oder den zahlreichen Applikationen auf unseren Smartphones. Die technischen Möglichkeiten machen uns vieles leichter, aber irgendwie ist man dadurch manchmal auch „unsozialer“ im Social Web. Emotionen können nur persönlich richtig an den Mann oder die Frau gebracht werden und ein Gespräch bringt oft mehr als ein Facebook-Chat. Solange man ein gesundes Maß beibehält ist das „socialn“ eine geniale Sache.

In diesem Sinne bin ich dann doch ganz froh gewesen, das Handy abgelegt zu haben, um mich frei zu fühlen vom „Social-Media-Zwang“. Und eines weiß ich jetzt schon, mein Handy bleibt beim nächsten Festival im Auto – dann kann ich offline ganz ungezwungen tanzen und „rempeln“, um anschließend online wieder zu „socialn“. 🙂

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