Wenn die äußerlichen Werte doch zählen…

Über die Einsatzmöglichkeiten von Webfonts
Jeder von uns kennt das Internet. Und sicherlich kennt jeder auch die ein oder andere Website, die in Punkto Design und Informationsaufbereitung eher, sagen wir, suboptimal ist. Neben dem bedachten Einsatz von Kopf- oder Contentbildern und der zum Inhalt passenden Informations-Strukturierung ist es auch die Verwendung von Schriften, die eine Website in ihrem Erscheinungsbild gehörig aufwerten können. Doch hierbei kam man bis dato sehr schnell an die Grenzen der gestalterischen Freiheit.

Beim Webdesign war es Usus, sich bei der Auswahl an Schriften immer auf die sogenannten Systemfonts zu beschränken. Der Grund? Im Gegensatz zum Printdesign, wo Schriften ja gedruckt und somit ein- für alle mal auf Papier (oder sonstiges) gebannt werden, ist man beim Design einer Website darauf angewiesen, dass jeder User auch wirklich in der Lage ist, diese Schriften anzeigen zu lassen. Das bedeutet, dass die verwendeten Schriften auf dem Computer des jeweiligen Benutzers installiert sein müssen. Die Anzahl der einsetzbaren Fonts war und ist aber so dermaßen groß, dass man nie garantieren konnte, dass alle Schriften auch wirklich angezeigt werden.
Bis heute hat man sich mit einigen Kniffen und Tricks geholfen, um dieses Problem zu umgehen. Claims, Headlines oder andere Auszeichnugnsschriften wurden als Bilder abgespeichert, und dann jeweils in die Seite integriert. Eine Lösung, die nicht wirklich sehr effektiv war. Bei jeder kleinsten Änderung der Navigation mussten neue Bilder erzeugt werden – sollte ein Inhaltsbereich eine neue Überschrift bekommen – ebenfalls dasselbe Dilemma. Zudem war es auch in Bezug auf die Suchmaschinenoptimierung nicht unbedingt günstig, sämtliche Navigation und Headlines als Bild darzustellen. Zwar konnte man den Bildern alle möglichen Tags zuordnen – was aber kein Ersatz für die Suchmaschinenfreundlichkeit von sogenannten „H“-Überschriften war.

Frühere Ansätze …
Es gab bereits verschiedene Ansätze, dieses Problem zu lösen. Zum einen wurden verschiedene Arten von Web-Fonts-Formaten generiert, die aber entweder recht umständlich einzusetzen waren, oder schon an der unterschiedlichen Verbreitung von Browsern scheiterten. Andere Ansätze versuchten, die Schrift im Nachhinnein per javascript auszutauschen – dazu wurden Schriftsätze in javascripts umgewandelt, die dann per CSS einer bestimmten Klasse zugewiesen werden. Hierbei gab es wiederrum das Problem, dass man in das aktuelle Projekt eine bestimmte javascript-Bibliothek einbinden musste – was bei größeren Projekten mit mehreren solchen Bibliotheken schnell zu Problemen führen konnte. Die Funktionsweise dieser Scripting-Methode war zwar recht zuverlässig, fraß aber auch einiges an Systemleistung – Überschriften wurden ausgelesen, in der gewünschten Schriftart per Script in Bilder umgewandelt und als *.png-daten wieder eingesetzt. Diese Methode war zwar SEO-freundlicher, da die Headlines im Quelltext immer noch vorhanden waren, erzeugte aber insbesondere im Internet Explorer einige unschöne Verzögerungseffekte.

Eine neue Freiheit für Designer …
So ziemlich jeder Webdesigner wird sich im Laufe seiner Projekte schon einmal gewünscht haben, in der Auswahl der Schriften nicht mehr so sehr eingeschränkt zu sein. Dies betrifft aber nicht nur Webdesigner, sondern auch diejenigen, die sich mit viel Mühe und Liebe zum Detail ihre eigene Website aufbauen wollen.
Nach einer Recherche im Netz stößt man schnell auf Webdienste, die es jedem ermöglichen, sich aus einem dort versammelten Pool an Schriften die zum Projekt passende herauszusuchen, und diese in die Website einzubinden. Ein gutes Beispiel für solche einen Webdienst ist z.B. www.webfonts.fonts.com. Nach einer Anmeldung kann man das kostenpflichtige Angebots fast unbegrenzt nutzen. Nach Kategorien sortiert findet man dort die unterschiedlichsten Fonts. Hat man die geeignete Schriftart gefunden, so fügt man diese einem vorher angelegten Projekt zu. Nun muss man nur noch ein Script in seine Website einbinden. Dadurch wird es ermöglicht, dass die Schriftklassen, die per CSS eingebunden werden, auch wirklich angewendet werden. Alles weitere ist nichts anderes als pures CSS. Der jeweiligen Schriftart wird eine font-family zugewisen, die dann, wie man es seit jeher hewöhnt ist, per Klassen eingebunden werden.
Ein weiterer Vorteil ist, dass es keine lizenzrechtlichen Probleme mehr gibt. Hat man früher Schriften nur unter der strengen Beachtung der Urheber- und Lizenzrechte einsetzen können, stellt dies nun kein Hindernis mehr dar. Durch die kostenpflichtige Registrierung bei einem solchen Webdienst erwirbt man auch automatisch die Lizenz, die dort gelisteten Schriften für die entsteheneden Projekte zu verwenden.

Mach‘s mir Arial – nicht jede Schrift eignet sich für jede Gelegenheit …
Nun ist es also soweit – jeder, der ein Screendesign entwirft, hat nun die Möglichkeit, schriftentechnisch aus dem Vollen zu schöpfen. Doch eine solche große Vielfalt bedingt natürlich auch eine behutsame Auswahl der geeigneten Schrift für das jeweilige Projekt. Nicht jede Schrift ist für den Einsatz am Screen geeignet – und sollte, wenn überhaupt, dann nur für Auszeichnungs-Schriften oder Headlines verwendet werden.
Generell gilt hier: Lass dein Gefühl sprechen, aber beachte Grundprinzipen beim Einsatz von Schriften im Web. Serifenbasierte Schriften eignen sich meist besser im Fließtext, als serifenlose, da Serifen das Auge besser leiten und somit das Lesen erheblich angenehmer machen können. Am Bildschirm kann das ganz schnell ganz anders aussehen. Wird eine Schrift in einer kleinen Schriftgröße dargestellt, so kann es passieren, dass Serifen nicht korrekt angezeigt werden, oder plump wirken – das kann sogar soweit führen, dass die Schrift im wahrsten Sinne des Wortes zuschwimmt und somit nur schwer leserlich wird.
Weiterhin empfiehlt es sich, den Zeilenabstand etwas zu erhöhen, als er systemseitig schon voreingestellt ist. Das verbessert den Grauwert des zu lesenden Textes und macht es dem Auge leichter, den Inhalt zu erfassen. Dererlei Regeln und Prinzipien gibet es noch weitaus mehr – das  soll aber nicht abschrecken – sondern viel mehr ermutigen, neue Dinge auszuprobieren und sich in der großen gestalterischen Freiheit auszuleben. Diese neuen Dienste sind eine große Chance, Webprojekte ansprechender und anspruchsvoller gestalten zu können. Mit ein wenig Einfühlungsvermögen und dem richtigen Gespür für Schriften wird jedes Projekt ein Hinkucker.

 

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